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Zusammenfassung - Zwischenfazit



Meine Gesamtstimmung? Sehr gut!

Ich bin überglücklich. Ich genieße diese grenzenlose Freiheit, die ich in Deutschland nie in dieser Form habe spüren können. Und meine Arbeit mit den Kindern im Schulprojekt trägt sehr viel dazu bei. Mehr dazu später.

Ort & Umgebung

Ich wohne in einer sehr westlich geprägten Stadt namens Swakopmund an der Küste Namibias. Swakopmund ist eines der beliebtesten Reiseziele der Touristen, weil hier noch sehr viel Geschichte aus der Kolonialzeit zu finden ist. Aber nicht alles ist Geschichte: so wohnen noch heute sehr viele deutschstämmige Menschen hier. Es gibt deutsche Buchläden, Supermärkte, Ärzte, Apotheken und Restaurants. Ich fühlte mich anfangs, als hätte ich Deutschland nie verlassen. Aber die Landschaft rundum Swakopmund hat mich dann wieder daran erinnert, in Afrika zu sein: im Westen ist das blauschimmernde Meer und im Osten die orangenfarbenen Wanderdünen, die zu Fuß in ein paar Minuten zu erreichen sind. Aber außerhalb der Stadt, mitten in der Wüste, befindet sich eine Ansammlung von Häusern, die aus Plastik, Blech und Holz bestehen – das Township DRC (Democratic Resettlement Community). Und mitten im Township befindet sich das DRC School Project & Community Centre, bestehend aus mehreren bunten Containern. Der Unterschied von Armut und Reichtum ist hier in Swakopmund deutlich zu erkennen. Die Menschen aber in diesem Township sind aus eigener Erfahrung gastfreundlich, humorvoll und herzlich und ich fühle mich hier wohler als in der Stadt, weil mir diese Gemeinschaft imponiert. Die Menschen haben nichts, aber geben sehr viel, besonders die hier lebenden Kinder. Und die Rede ist nicht von Materiellem.



Räumlichkeiten

Das DRC School Project & Community Center befindet sich ca. 7 km außerhalb der Stadt. Ich setze mich in der Stadt in ein Taxi, bitte den Fahrer mich ins DRC zum School Project zu fahren und er weiß sofort, was ich meine und wo es sich befindet.

Je nachdem wird ab und zu nachgefragt „Coloured Containers?“ – „Yes, exactly!“ Das Taxifahren ist besonders günstig, doch summiert es sich, wenn man regelmäßig einen Taxi nutzt, um zur Arbeitsstätte zu gelangen. Daher entschieden Malina, meine Mitfreiwillige, und ich uns im Township bei Mr. Elephant ein gebrauchtes und funktionstüchtiges Fahrrad zu kaufen, um dadurch viel Geld zu sparen. Die Straßen Swakopmunds sind relativ sicher, doch darf man die Autofahrer nicht unterschätzen. Ein Helm ist empfehlenswert. Am Projekt angekommen sieht man mehrere bunte Container aneinander gereiht, in denen mehrere Räumlichkeiten sind und in diesen unsere Arbeit stattfindet.



Kollegium

Im Schulprojekt herrscht ein außerordentlich tolles Arbeitsklima. Zu diesem Arbeitsklima tragen Dina und Ilse sehr viel bei. Dina, eine einheimische Lehrerin, ist der Motor im Projekt und unverzichtbar, weil uns die Kinder ohne sie auf der Nase tanzen würden. Ilse, eine ehemalige Lehrerin aus Deutschland, die im Projekt uneigennützig und ehrenamtlich arbeitet, ist eine tatkräftige Unterstützung für das gesamte Team. Zusammen mit meiner Mitfreiwilligen starte ich meinen Arbeitstag um 8 Uhr und gehe in meine wohlverdiente Mittagspause um 13 Uhr. Um 15 Uhr wird das Projekt wieder zum Leben erweckt und die Nachmittagsbetreuung startet.

Aufgabenbereiche

Dina leitet die Pre-School, die aus circa 20 Kindergartenkindern besteht und Ilse den Unterricht mit Kindern, die sich den Besuch einer staatlichen Schule nicht leisten können oder keinen Platz erhalten haben, weil diese überfüllt sind. Malina und ich führen Unterrichtsreihen mit den Kindern durch, die einen Platz an der Schule erst am frühen Nachmittag haben, da diese morgens überfüllt sind. Wir sind in der Gestaltung unseres Unterrichts sehr frei und richten uns oft nach den Wünschen unserer Kinder – auf dem Plan stehen regelmäßig Mathe, Englisch, oder „How to read & write!“. Viele von ihnen können nicht lesen oder gar schreiben. Das sind Zeichen für überfüllte Schulklassen und ein Mangel an individueller Betreuung. Vor Beginn einer jeden Unterrichtsreihe denken Malina und ich uns einen Ansporn für unsere Kinder aus, das sie dazu motiviert mit vorbildlichem Benehmen am Unterricht teilzunehmen, u. A. spielen wir nach der Pause Fußball, verteilen Süßigkeiten oder geben ihnen das Versprechen eines Ausflugs zum Strand. Unsere Kinder lieben Aktivitäten aller Art, da dies für sie eine Zuflucht vor ihrem grauen Alltag bedeutet. In der Nachmittagsbetreuung bieten wir Schulkindern unsere Unterstützung bei der Erledigung ihrer Hausaufgaben an, die gerne in Anspruch genommen wird. Im Schulprojekt ist jeder herzlich willkommen, sodass auch viele „Straßenkinder“ kommen und bei uns ihre Zeit vertreiben und beschäftigt werden müssen. Abwechselnd übernehmen wir auch den „Kiddies Club“, sodass ebenso auch die Kleinen ihren Spaß und ihre Beschäftigung bei uns haben.



Community Centre

Da wir nicht nur ein „School Project“ sind, sondern auch ein „Community Centre“, unterstützen wir auch die Erwachsenen im Township dabei, Lebensläufe oder Kopien zu erstellen, um ihnen bei der Bewerbung um einen Job unter die Arme zu greifen. Auch diese Unterstützung wird regelmäßig in Anspruch genommen.

Wohnsituation

Ich wohne zusammen mit Malina übergangsweise in einer Wohnung, die nur einmal im Jahr vom Vermieter über Weihnachten genutzt wird. Davor haben wir unsere ersten Wochen im schönen Skeleton Beach Backpackers verbracht, da noch keine Wohnung für uns Freiwillige gefunden wurde. Die Mietpreise für Wohnungen in Swakopmund sind überteuert und nicht bezahlbar, ebenso auch unsere Übergangswohnung, da wir uns in einer Touristenstadt befinden. Wir ziehen aber bald in unsere eigenen Gardenflats, die unsere focal person Jens für uns momentan auf seinem Grundstück bauen lässt.

Herausforderungen

Meine stets größte Herausforderung ist es, den Respekt der Kinder zu bekommen. Viele Kinder denken, sie können einem auf der Nase tanzen wie ihnen lieb ist, besonders in der Pre-School. Um die Pre-School zu führen, verlangt es harte Nerven und ein lautes Organ. Ich habe anfangs sehr schnell aufgegeben mir den Respekt der Kinder zu verschaffen, aber mit der Zeit lernt man damit umzugehen und die unartigen Kinder einige Minuten vor die Türe zu schicken, um mit den restlichen Kindern ordentlich arbeiten zu können. Aber nicht immer klappt es reibungslos. Ganz im Gegenteil ist es bei Dina, der einheimischen Lehrerin, bei der die Kinder gehorsam und aufmerksam sind. Im Großen und Ganzen sind alle Kinder liebenswert, egal wie frech sie manchmal sind.




Vorhaben

Auf die Zukunft blickend steht der Aufbau einer Computerklasse an. Malina und ich haben uns überlegt unseren Schülerinnen und Schülern den Umgang mit Computern näher zu bringen. Durch Beobachtungen bei Erwachsenen, die teils kein Wissen im Umgang damit haben, dachten wir uns, den Kindern die Grundkenntnisse beizubringen, damit sie später im Beruf keinerlei bzw. wenig Einschränkungen haben.

Persönliches Befinden

Unsere focal person hat uns das Einleben in Swakopmund durch seine Art sehr erleichtert, steht uns weiterhin mit Rat und Tat zur Seite und hat ein offenes Ohr für jedes unserer Anliegen. Er hat das Herz am rechten Fleck. Ich fühle mich inzwischen als ein Teil der Gesellschaft Swakopmunds. Das Zusammenleben mit Malina, meiner Mitfreiwilligen, ist angenehmer als ich dachte. Ich hatte anfangs Zweifel, ob es zwischen uns gut klappen würde, weil ich ein eher extrovertierter Mensch und sie das komplette Gegenteil ist. Aber das passt sogar besser als ich dachte und alle Sorgen verflogen binnen weniger Wochen nach Ankunft. Ich habe sie sogar sehr lieb gewonnen und ihre ruhige Art tut mir sogar sehr gut. Ich sage ihr oft was ich denke. Das stärkt die Gemeinschaft. Ich bin glücklich und denke schon jetzt darüber nach, nach der Rente nach Namibia zu ziehen. Aber weiß der Herr im Himmel, was sich im Laufe des Lebens alles tut.

Nichtsdestotrotz wünsche ich meinen Lesern, Freunden und Familien einen kalten Rutsch ins neue Jahr. Ich verbringe meinen Übergang auf den Wanderdünen Swakopmunds. Wir werden dort grillen, einen Sekt trinken und dort auf das neue Jahr anstoßen und uns in unseren Zelten schlafen legen. Das hat man auch nicht alle Tage. Ich vermisse das kalte Deutschland mit samt des Schnees, aber ich mache irgendwie das Beste aus dieser Zeit ohne meine geliebten Menschen aus Deutschland. In diesem Sinne verabschiede ich mich mit einem fantastischen Foto einer Giraffe, die uns auf der Straße über den Weg gelaufen ist. 'Was ein schönes Geschöpf.





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Volkan Sazli
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